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Von der falschen Bildbeschreibung zur vergessenen Mini-WM

Häufig führt mich die Suche nach Fragen für mein monatliches Fußball-Quiz in die Bildergalerien der 11Freunde. Wenig verwunderlich, schließlich sind ein, zwei Fragen pro Quiz zumeist Bildfragen.

Nicht selten – das sei auch vorweg genommen und eingestanden – führt die Fragen-Recherche mich auch an Grenzen, so dass es durchaus vorkommt, dass infolgedessen Fragen unklar formuliert werden und es zu Diskussionen unter den Teilnehmern kommt. Insofern will ich auch ob einer falschen Bildunterschrift auch kein Fass der Empörung öffnen, sondern vielmehr beispielhaft aufzeigen, wie man von einem Themenbereich durch Neugierde bei einem völlig anderen Sachverhalt landet und sich bei dieser schönsten Nebensache der Welt so herrlich in Details hineinsteigern kann. Dafür gehen wir wieder zurück zum Einstieg.

Denn auch bei der Recherche zum letzten Quiz landete ich nun – trotz ausbleibendem Sommerwetter- in der Galerie “Fussballer am Strand”. Neben dem ästethisch wertvollen Bild von Erik Meijer bottomless, weckte besonders jenes Bild von Toni Schumacher und seiner Gang mein besonderes Interesse.

Deutsche Fussballer Alt

Dies lag allerdings weniger an dem Motiv, als vielmehr an dem beschreibendem Text der Redaktion. Die 11Freunde betitelte jenes Foto wie folgt:

„Die deutsche Gang um Bandenführer Toni Schumacher (links) verbreitete im Sommer 1978 Angst und Schrecken an den Küsten Argentiniens. Wohl gemerkt nur an den Küsten."

Erste Zweifel daran, dass das Bild bei der WM 1978 geschossen wurde, kamen bei der Kaderkombination Toni Schumacher, Karl-Heinz Rummenigge, Rainer Bonhof und Hansi Müller sofort auf. Und siehe da: Die Recherche im WWW belegte schnell, dass der Tünn an der Schmach von Cordoba und auch dem weiteren miserablen Auftreten beim Turnier 1978 keinen aktiven Anteil hatte. Stellte sich also die Frage, wo unsere Edelkicker in dieser Formation antraten?

Mundialito: Nippes oder spannendesTurnier?

Nach einigen Googeleien, stieß ich schließlich auf des Rätsels Lösung, die da lautet: beim Mundialito 1980/81 in Montevideo.

„Mundialito (wörtlich: kleine Weltmeisterschaft) war ein vom 30. Dezember 1980 bis zum 10. Januar 1981 in Montevideo (Uruguay) ausgetragenes Fußballturnier. Es wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Austragung von Fußball-Weltmeisterschaften durchgeführt. Teilnehmen sollten alle bisherigen Weltmeister. Da England als Weltmeister von 1966 absagte, rückte mit den Niederlanden der zweimalige Vize-Weltmeister der beiden vorherigen Weltmeisterschaften nach. Sämtliche Spiele wurden in Montevideo, der Hauptstadt Uruguays, im Estadio Centenario ausgetragen.

Uruguay gewann das Turnier im Finale gegen Brasilien. Die deutsche Mannschaft schied ohne Punktgewinn in der Vorrunde aus und musste nach der Rekordserie von 23 Spielen ohne Niederlage die erste Niederlage unter Bundestrainer Jupp Derwall hinnehmen. Das 1:4 gegen Brasilien war die höchste Niederlage nach dem verlorenen Spiel um Platz 3 bei der WM 1958. Auch die beiden anderen europäischen Mannschaften konnten kein Spiel gewinnen."

Da alle Spiele in Montevideo stattfanden, machen Schumacher und Co also keinesfalls argentinische Strände, sondern eben nur einen einzigen in Uruguay unsicher. Damit wollen wir es aber auch mit der Richtigstellung der Bildbeschreibung auch belassen. Vielmehr ist es doch spannend, dass ich – trotz lebenslangen Fußballinteresses und umfangreicher wie ausgefallener Fragensuche für das Fußball-Quiz – never ever nie nicht von besagtem Turnier der Weltmeister gehört habe, welches Sepp Blatter wahrscheinlich noch heute ob der Vermarktungsaussichten ad hoc in Feuchttraumfantasien versetzen würde. Immerhin spielten mit Baresi, Maradona, Tardelli, Socrates und Rummenigge durchaus diverse herausragende Fußballstars dieser Zeit bei dem Mundialito um den Titel mit.

Wir suchen daher gerne Zeitzeugen, die etwas zum Turnier, der Stimmung und der Berichterstattung mitteilen können und würden uns auch freuen, wenn die 11 Freunde dieses Posting zum Anlass nimmt, das Turnier noch einmal aufzuarbeiten – und wenn es nur dafür dienlich ist, dass ich in weniger entgeisterte Gesichter beim Fußball-Quiz gucken muss, wenn mir das Wort “Mundialito” über die Lippen kommt.

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